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Ministerin Theresia Bauer am „Tag der Lehre" zu Gast in Weingarten

"Lehre ist das Kerngeschäft der Hochschulen"

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer schüttelt Marvin, dem hochschuleigenen Roboter die Hand.
Quelle:
Felix Kästle

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer war am 23. Mai an der Hochschule Ravensburg-Weingarten zu Gast, um im Rahmen der Podiumsdiskussion „Yes it’s #Humboldt“ die Weiterentwicklung guter Hochschullehre zu diskutieren. Dieses Thema war zuvor bereits Gegenstand der hochschulinternen Qualitäts-Management-Werkstatt gewesen. An der parallel dazu stattfindenden Demonstration gegen die Einführung von Gebühren für Studierende aus Nicht-EU-Ländern hatten sich rund 450 Studentinnen und Studenten beteiligt. Auch sie konnten im Rahmen der Diskussionsrunde ihre Fragen an die Ministerin stellen.

„Wir brauchen blitzgescheite Geister, nicht nur die Wirtschaft braucht sie, sondern auch unsere Gesellschaft. Wir brauchen Menschen, die das Knowhow und das Zutrauen haben, eine unsichere Zukunft anzupacken“, sagte Theresia Bauer auf dem von Isabel Heigle moderierten Podium. Im Erreichen dieses Zieles wies die Ministerin den Hochschulen die Akteursrolle zu. Die Politik müsse auf der einen Seite dafür die Rahmenbedingungen schaffen, auf der anderen Seite aber den Hochschulen den notwendigen Freiraum lassen. „Wir haben in den letzten Jahren das Augenmerk auf die Studieneingangsphase gelegt, um hier mit einem großen Programmpaket Strukturen zu schaffen, die den Studienerfolg wahrscheinlicher machen“, so die Ministerin.

Auf die Stärken der Studierenden setzen

Im Rahmen dieser Förderung wird an der Hochschule in Weingarten etwa das Programm „Personal Mastery“ realisiert. In vier Teilprojekten, verteilt auf die vier Fakultäten, wird „gezielt auf die Stärken der Studierenden gesetzt, anstatt auf ihre Schwächen abzuheben“, erläuterte Professorin Dr. Theresia Simon. Hier sei man nah dran an dem humboldtschen Gedanken von der Persönlichkeitsentwicklung. Überhaupt war die Aktivierung der Studierenden als eines der Leitmotive aus der Diskussionsrunde herauszuhören.

Einig war sich die Runde in dem Punkt, dass die Gewichtung innovativer pädagogischer Formate bei der Bewertung der Hochschule als ganze stärker in den Fokus rücken müsse. „Die Auslastungszahlen als einziges Kriterium für die Mittelzuweisung greifen zu kurz. Dafür braucht es auch qualitative Kriterien“, sagte Ankita Agraval, Absolventin und heutige Mitarbeiterin der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Florian Kaupp, der in der Runde die Perspektive der Studierenden vertrat, betonte den „Komfort der kleinen Hochschule“ und den dadurch möglichen „direkten Zugang zu Lehrenden“.

"Hier geht eine Hochschule systematisch ran.“

Bevor sie sich auf dem Podium den Fragen stellte, hatte sich Ministerin Bauer ein Bild gemacht von den zahlreichen Projekten, die zum Teil im Rahmen der Förderprogramme des Landes durchgeführt werden. Sie schüttelte dem Roboter Marvin die Hand, begutachtete die Kettensäge, die in der Fakultät Maschinenbau als Produktleitbeispiel dient, sie ließ sich die 3D-Drucker des Fablab erklären und setzte sich im Rennwagen des Formula Student Teams Weingarten ans Steuer. „Lehre ist das Kerngeschäft der Hochschulen, und da sind sie bestens aufgestellt“, so Theresia Bauer. „Ich habe den Eindruck, hier geht eine Hochschule systematisch ran.“

Am frühen Nachmittag hatte an der Hochschule bereits ein interner Workshop zu dem Thema Hochschulehre stattgefunden. Die sogenannte Qualitäts-Management-Werkstatt wurde mit einer gemeinsamen Mittgaspause eröffnet. Die Ersthelfergruppe „First Responder“ grillte für alle Anwesenden. Im Anschluss konnten Studierende, Lehrende und Mitarbeiter an zehn Stellwänden mit Fragen rund um das Thema Hochschullehre ihre Vorschläge anbringen, diskutieren und gewichten. „Wir brauchen ihre Hilfe, damit wir uns verbessern können“, hatte der Rektor der Hochschule, Professor Dr. Thomas Spägele den alle zwei Jahre stattfindenden Workshop eröffnet.

An den zehn Stationen herrschte dann auch reger Betrieb, sowohl von studentischer wie von Mitarbeiterseite. „Wir finden es gut, dass wir uns einbringen können. Im Studienalltag haben wir ja sonst nicht so sehr die Gelegenheit, was zu verändern“, sagten Simone Huber und Heidi Wacker, die beide in Weingarten Wirtschaftsingenieurwesen studieren. „Wir erwarten dann aber auch, dass Vorschläge umgesetzt werden.“

An der zur selben Zeit stattfindenden Demonstration gegen die Einführung von Studiengebühren beteiligten sich 450 Studierende der Pädagogischen Hochschule Weingarten und der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Unter dem Motto „Weingarten bekennt Farbe“ endete der Demonstrationszug auf dem Campus im Weingartener Norden pünktlich zur Diskussion mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Rektor Thomas Spägele bot in seiner Begrüßung an, die Demonstranten könnten ihr Anliegen an dieser Stelle vorbringen. „Doch lassen sie uns zunächst das Thema diskutieren, für das wir hier heute zusammengekommen sind.“

Gelebte Diskussionskultur

So wurde es dann auch gemacht. Auf die Kritik an der Einführung von Gebühren für Studierende aus Nicht-EU-Ländern sowie für Zweitstudien antwortete Ministerin Theresia Bauer mit dem Verweis auf die Schuldenbremse. Um diese einhalten zu können, müsse jedes Ressort einen Beitrag leisten. Und dies solle nicht durch eine Kürzung der Grundfinanzierung der Hochschulen geschehen. „Es ist legitim, einen Beitrag zu verlangen“, so die Ministerin. Den Verweis auf die hohen Steuereinnahmen ließ sie nicht gelten. Diese seien konjunkturell und nicht strukturell bedingt. Deshalb liege der richtige Einsatz für diese Mittel in der Sanierung bzw. in Bauvorhaben.

Noch lange nach dem offiziellen Ende der Podiumsdiskussion war die Ministerin im angeregten Gespräch vor der Bühne. So blieben am Ende nicht nur die anerkennenden Worte für die inhaltliche Arbeit an der Hochschule in Weingarten, sondern auch das Lob für die gelebte Diskussionskultur im Ringen um Lösungen. Auch wenn die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Ravensburg-Weingarten nicht zentral in der Stadt lokalisiert ist, so kann sie sich doch über mangelndes Leben in den eigenen vier Wänden nicht beklagen. An diesem „Tag der Lehre“ erwies sich die Hochschule mit ihren rund 3.700 Studierenden als ein überaus lebendiger Ort. Beste Voraussetzungen also für die Entwicklung blitzgescheiter Geister, die die Zukunft anpacken.

Text:
Christoph Oldenkotte